Alfons Böß – Eisenbacher, Soldat, Pater und Missionar in Chile

Von Julia Hartmann

Die Totenglocken läuten. Es ist der 13. Oktober 2014. Die mit Holz vertäfelte Kapelle ist voll besetzt. Viele wollen von Alfons Böß Abschied nehmen, darunter viele Patres der Gemeinschaft und Studenten des Colegio Mayor, die bei der Messe dienen und den Chor unterstützen. Nach dem gemeinsamen Gebet beginnt die Prozession zur Kirche Espíritu Santo, gefolgt vom Leichenwagen von María Ayuda. Der am 2. April 1919 in Eisenbach geborene Pater wird in Chile beigesetzt. Einfühlsam und tiefgründig erinnert Pater José Manuel López in seiner Predigt an den Verstorbenen: Trotz der vielen Prüfungen, die er durchleben musste, habe Alfons niemals aufgegeben und weder sein Lächeln noch seinen Willen, dem Nächsten zu helfen, verloren. Mit großer Dankbarkeit erfüllt, wird das Requiem auf dem Friedhof der Patres gebetet. Wie es üblich ist, streut jeder eine Handvoll Erde und Weihwasser auf das Grab. Ein letzter Abschied.

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Er ist der Älteste der Familie: Seine Eltern haben acht Kinder, Alfons ist ihr ältester Sohn. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in Eisenbach. Alfons besucht die Volksschule. Die morgendliche Messe, die von der Familie Böß besucht wird, beginnt um 7 Uhr, noch vor Schulbeginn. „Als wir zurückkamen, hatte unsere Mutter wie gewöhnlich das Frühstück vorbereitet: eine Pfanne mit gebratenen Kartoffeln, eine Tasse frisch gemolkene Milch und ein Brot mit Marmelade von sauren Zwetschgen“, erinnert sich Alfons Böß mit über 90 Jahren.

1929 vor dem Elternhaus in der Kirchhofstraße 5
Die Familie Böß 1938: (hinten v.l.) Walburga, Bernhard, Alfons, (vorne v.l.) Mutter Helene mit Baby Rosa, Hedwig, Maria und Vater Jakob, vor dem Haus in der Kirchhofstraße 5

Alle Kinder der Familie helfen in der Landwirtschaft – wie bei vielen Familien zu dieser Zeit üblich – gerade zur Erntezeit. Wenn Alfons nicht auf den Feldern mitarbeitet oder mit Vater oder Mutter in der heiligen Messe ist, dann spielt er gerne mit Freunden Fußball oder in den Eisenbacher Wäldern. In den 1920er Jahren ist bei vielen das Geld knapp, die Kinder steuern etwas zum Haushaltsgeld bei. So auch Alfons: Er verdient durch das Zeitungaustragen der „Bauern-Zeitung“ etwas.

Der junge Alfons ist auch fasziniert vom Modellbau: Mit einer kleinen Laubsäge und etwas Sperrholz baut er eine Weihnachtskrippe. Auch kleinere Modelle mit beweglichen Maschinen entstehen zu dieser Zeit.

Er beginnt das Theologiestudium am 1. Mai 1933. Ehrfurchtsvoll durchschreitet er – begleitet von seinem Vater Jakob Böß – das antike Studiengebäude der Pallottiner in Ehrenbreitstein, bei Koblenz. „Dort begann für mich ein ganz neues Leben in einem Haus mit etwa 120 Schülern von zwei Kursen und 20 Ordensbrüdern, Patres und Laien. Ich lernte das Heimweh zu überwinden und begann mit den ersten Schritten in Latein.“ Alfons wird Teil der Schönstatt-Bewegung, eine internationale geistliche Erneuerungsbewegung innerhalb der katholischen Kirche, die am 18. Oktober 1914 von Pater Josef Kentenich (1885–1968) in Schönstatt, einem Ortsteil von Vallendar, gegründet wird.

Die Schönstatt-Bewegung:

Im Zentrum der Bewegung stehen die Marienverehrung, die Selbsterziehung und das Streben nach einer christlichen Lebensgestaltung im Alltag. Die kleine Marienkapelle in Vallendar-Schönstatt ist das geistige Zentrum. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge über 200 originalgetreue Nachbildungen dieser Kapelle, die als Anlaufstellen für die lokalen Gemeinschaften dienen. Heute ist die Bewegung in mehr als 110 Ländern vertreten, wobei sie besonders in Deutschland, Südamerika (insbesondere Chile, Brasilien und Argentinien) und Afrika stark verwurzelt ist. In den letzten Jahren kam es zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Figur des Gründers Josef Kentenich. Historische Forschungen (u.a. durch die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach im Jahr 2020) brachten Vorwürfe des Machtmissbrauchs und ungebührlichen Verhaltens gegenüber Schwestern der Bewegung ans Licht. Ein Seligsprechungsverfahren für Kentenich, das bereits eingeleitet war, wurde daraufhin 2022 vom zuständigen Bistum Trier vorerst ausgesetzt, um die Vorwürfe umfassend zu prüfen.

Alfons Böß 1937

Doch die politische Lage der 1930er Jahre ist geprägt von der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur. Nach Jahren schwerer Wirtschaftskrisen, politischer Instabilität und Straßenkämpfen vollzieht sich 1933 der Übergang von einer demokratischen Republik zu einem totalitären Staat mit rasanter Geschwindigkeit. Alfons und seine Studienkollegen fühlen die politische Stimmung und die Unterdrückung der Nazis gegen die Kirche. Bei ersten Durchsuchungen der Gestapo in Schönstatt werden Bücher konfisziert. Kurz darauf müssen Schule und Internat schließen. „Der Apostolischen Bewegung von Schönstatt wurde das Wort ‚Bewegung‘ in Zukunft verboten. Es gehörte nur zur Partei [Anm. Verfasserin: NSDAP]. […] In unseren Briefen vermieden wir das Wort ‚Schönstatt‘. Stattdessen sprachen wir von ‚Unserem Heiligen Ort‘. […] Wir verschwanden in den Katakomben, arbeiteten aber weiterhin, innerlich als Jugend zu wachsen und dem Weg der ganzen grossen Schönstattfamilie zu folgen.

Im November 1939 entsteht der Gedanke, der jungen Generation innerhalb der Schönstatt-Bewegung einen Namen zu geben: Ver Sacrum, der heilige Frühling. In der Antike war das Ver Sacrum ein religiöses Gelübde des römischen Volkes in Zeiten hoher Not (z. B. bei Dürren, Seuchen oder Kriegen). Die Mitglieder von „Ver Sacrum“ sehen sich 1939 in einer ähnlichen Lage: „Der Pater hatte uns zur totalen Hingabe aufgerufen, um Schönstatt zu retten sowie die Kirche und unseren Weg zum Priestertum. Hier war die Antwort: wir müssen diese Jugend sein, die sich als Heiliger Frühling aufopfert, denn wir wussten, dass die, die reinen Herzens sind, sich zum Opfer hingeben, ein ganzes Volk retten.

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Alfons bleiben nicht mehr viele Tage im Kreise seiner Studienkollegen. Am 2. Februar 1940 erhält er den Militärbrief. Er hat zehn Tage Zeit, um sich in Bonn einzufinden und die Militärausbildung zu beginnen. Er wird mit weiteren Rekruten nach Ostpreußen versetzt, der Infanterie in Mohrungen (heutiges Polen) zugeteilt.

Während des Krieges gibt er nur einen einzigen Schuss ab, da er bald als Buchhalter seiner Kompanie eingesetzt wird.

Kriegszeiten: Alfons Böß an der Westfront
… später an der Ostfront

Ende Januar 1945 landet Alfons Böß in russischer Kriegsgefangenschaft, eine harte Zeit voller Zwangsarbeit, Hunger, Krankheit und Ungerechtigkeit beginnt. Diese Zeit prägt ihn, die Erlebnisse wird er nie vergessen.

„Mit dem Sturz in russische Hände begann für uns eine Zeit des Hungers und der Misshandlung. Ein Stück Brot oder eine gekochte Kartoffel wäre für uns damals etwas Köstliches gewesen. Einmal fand ich im Schnee eine Zwiebel, die mir drei Tage lang reichte, und der Schnee war unser Wasser. Nach langen Märschen, auf denen wir in vielerlei Hinsicht gedemütigt wurden, kamen wir hier in Soldau an. Wir sind Sklaven für schwere Arbeiten, bei minimaler Ernährung. Solange die Kämpfe an der Front andauerten, mussten wir Tag und Nacht Munition transportieren und verladen. Wie viele von uns dabei umkamen, könnt ihr euch vorstellen. In dieser Zeit war ich dem Tode sehr nahe.“

Übersetzt aus: Padre Gerardo Rodríguez/Juan Martín Alice (2025): Epílogo. Navidades en la Estepa. Memorias, cartas y relatos de la Wehrmacht en el frente oriental.

Dennoch übersteht er diese Zeit, ihm hilft sein Glaube an die Gottesmutter und den Herrn. Er hofft auf eine baldige Heimkehr:

„Ich habe jetzt die Zuversicht, dass nach diesem Leben voller Opfer bald meine Heimkehr kommen wird. Seit dem Ende des Krieges hat sich die Lage etwas gebessert. Gesundheitlich geht es mir jetzt ganz gut. Anstatt Munition zu schleppen, beladen wir jetzt die russischen Züge, die seit Monaten die immense Masse an Gütern abtransportieren, die die Russen aus Deutschland herausholen. Im Sommer mussten wir eine Zeit lang den Weizen ernten, der auf den Feldern gereift war, da ganz Ostpreußen fast menschenleer ist.“

Epílogo. Navidades en la Estepa.

Gerade an Weihnachten schmerzt der Gedanke an die Heimat, an die Familie. In einem Brief vom 29. Dezember 1945 schreibt er:

„Weihnachten war hier für uns sehr schwer, aber wir haben unser Bestes getan, um es zu feiern, in der Hoffnung, dass es das letzte Weihnachten in dieser traurigen Lage ist. Die Russen hatten uns jede Weihnachtsfeier und jeden Gottesdienst verboten. An diesen Feiertagen haben sie unsere Arbeit verdoppelt, aber trotz allem konnten sie uns das Weihnachtsfest nicht rauben. Wir hatten Nachtschichten beim Abtransport der geraubten deutschen Güter am Bahnhof. Am Heiligen Abend waren wir von 4 Uhr nachmittags bis 2 Uhr morgens draußen. Als ich im Waggon stand und die Kisten aufeinanderstapelte, waren meine Gedanken bei euch zu Hause. Ich stellte mir vor, wie ihr euch im Wohnzimmer um den Baum und die Krippe versammelt habt. Ich war in Gedanken bei euch und wünschte euch viel Segen und Freude; hoffentlich ist wenigstens Bernard schon nach Hause zurückgekehrt und kann bei euch sein.“

Epílogo. Navidades en la Estepa.

Das Weihnachtsfest in Gefangenschaft wird mit einer kleinen Feier mit etwa 30 Kameraden begangen. Sie basteln einen kleinen Weihnachtsbaum, schmücken ihn mit Silberpapier und kleinen Sternen. Unter dem Baum liegen – statt Geschenken – in kleinen Blechrahmen die Fotos ihrer Angehörigen. Zwei Kameraden aus der Schneiderei schenken Alfons Böß eine Unterhose und ein Paar Handschuhe.

Es ist nicht das letzte Weihnachten in Sibirien: Erst am 24. September 1949 kehrt er zurück zu seiner Familie nach Eisenbach. Vorher standen sie glücklicherweise schon in Kontakt, weiß sich Rosa Kaiser heute noch zu erinnern. „Wir Geschwister haben uns bei einem Fotografen in Niederselters fotografieren lassen. Die Karte schickten wir dann zu ihm nach Russland – und sie kam an!“

Die Monate in Gefangenschaft vergehen, Alfons ist wehmütig: „6 Jahre habe ich nun schon auf dem direkten Weg zum Beruf verloren. In diesem Jahre [1946] wäre ich zum Priester geweiht worden, aber Gott will es anderes. Was mich trotzdem immer hochhält, ist die Überzeugung: wenn mich Gott zum Priester berufen hat, dann führt er mich auch über Krieg und Gefangenschaft zum Ziel“, schreibt er am 15. Januar 1946 an seine Familie. In seinen Briefen berichtet Alfons auch von einem Fluchtversuch Richtung polnische Grenze: In einer eilig gebauten Doppelwand in einem leeren Güterwaggon verstecken sich mehrere deutsche Gefangene, hoffen und beten, nicht entdeckt zu werden. An der Grenzlinie zu Polen fliegen sie auf. Nun beginnt ein nächtliches Verhör, sie werden geschlagen, getreten. Sie werden eingeschüchtert, bloßgestellt. Der in den Kriegsjahren aufgestaute Hass bricht sich Bahn.

Bis Mitte 1947 muss Alfons in russischer Kriegsgefangenschaft gestohlene und abmontierte Güter verladen. Dann verlegen die Russen das Lager ins Donezgebiet, in die Region von Stalingrad. Nun müssen die Gefangenen in einer Kohlemine schuften, in der auch Russen arbeiten. „Zweieinhalb Jahre dauerte es, meine Kräfte waren nach und nach verschwunden, bis ich eines Morgens Anfang September während einer morgendlichen Kontrollparade meinen Namen unter denen hörte, die nach Deutschland zurückkehren konnten“, erinnert sich Alfons Böß.

Das erste Bild als freier Mann: Alfons Böß 1949 als Heimkehrer

Nach einer achttägigen Fahrt erreicht er ein Aufnahmelager bei Eisenach, doch wirklich frei fühlt er sich erst, als er in der amerikanischen Besatzungszone ist. Sein Vater wartet auf ihn am Bahnhof in Niederselters und fährt ihn in einem Pferdewagen nach Hause. Die Freude, das Glück, die Dankbarkeit, am Leben zu sein und seine Liebsten wieder in den Arm nehmen zu können, ist unbeschreiblich. „Als wir in den Ort kamen, läuteten die Glocken der Kirche: nach 5 Jahren war wieder ein Sohn des Ortes heimgekehrt. Es war der 24. September 1949.

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Von der Mutter aufgepäppelt und mit neuen Kräften nimmt Alfons bei bester Gesundheit am 1. November 1949 sein Priesterstudium wieder auf. Anfang April 1951 beginnt er sein Studium im Priesterseminar in Schönstatt und legt am 25. April desselben Jahres seine erste Profess bei den Pallottinern ab. Am 17. Juni 1955 lässt er sich – nun 36 Jahre alt – in Schönstatt zum Priester weihen. Am darauffolgenden Sonntag kann er in Eisenbach die Primiz feiern (Primiz: die erste Heilige Messe eines neugeweihten Priesters in seiner Heimatpfarrei): „In dieser feierlichen Messe war der ganze Ort zugegen und 8 meiner Gefängniskameraden in Russland mit ihren Frauen. Der ganze Weg von meinem Haus bis zur Kirche war mit Girlanden, Blumen und Fahnen geschmückt. In einer Prozession kamen alle von der Kirche, mich von meinem Haus in die Kirche zu begleiten. Auch waren zugegen einige meiner Priester-Lehrer, 3 Priester, darunter Verwandte mit dem Namen Böß und die alte Lehrerin aus der Volksschule.

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Alfons zieht es ihn ins Ausland, er will als Missionar wirken. Chile wird seine nächste Station. Im März 1956 wird er gemeinsam mit Pater José Vicente Herz und Pater José Jung nach Chile entsandt. Dort arbeitet er zunächst in der Pfarrei Nuestra Señora de los Dolores in Carrascal (Santiago de Chile). „Carrascal war eine sehr große Pfarrei in einem Stadtteil neben dem unteren Mapocho-Fluss mit viel Armut und Misere. Das beeindruckte uns.“ Es steht viel Arbeit an: „viele Taufen und Hochzeiten, besonders viele an Tagen vor den Festen. Oft waren wir noch um Mitternacht im Büro“, erinnert sich Pater Alfonso. Im Nordamerikanischen Institut schreibt er sich für einen Spanischkurs ein.

In Chile wird er mehrere Jahre, gar Jahrzehnte, wirken. Chile wird sein zweites Zuhause. Aus Pater Alfons wird Padre Alfonso.

Entsendung nach Chile: mehrwöchige Reise per Schiff nach Südamerika

Wenn er in der alten Heimat, in Eisenbach, ist, wohnt er auf dem Marienhof, bei seinem Neffen Bernd und dessen Familie. Alfons sammelt Spenden und Kleidung, die dann per Frachtschiff nach Südamerika gebracht werden. Die Ärmsten können es brauchen. Das Land – das eigentlich wirtschaftlich gut dastehen könnte – ist von Korruption zerfressen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß. Bittere Armut herrscht in dem Land, während reiche Chilenen in Saus und Braus leben.

Kurz nach seiner Ankunft 1956 brennt die Kirche in Carrascal nieder. Er leitet den Wiederaufbau, und im September 1958 kann die provisorisch wiederhergestellte Kirche gesegnet werden. Neben der Pfarrarbeit unterstützt er auch den Aufbau der Schönstattbewegung.

In jener Zeit verschärft sich innerhalb der Pallottiner die Auseinandersetzung mit Schönstatt. Pater Kentenich befindet sich im Exil in Milwaukee. Die sogenannten „Integralen“, die sich mit dem Gründer identifizieren (und zu denen auch Pater Alfonso gehört), werden überwacht und des Ungehorsams beschuldigt.

So erhält Alfons im Januar 1960 vom Generaloberen Pater Möhler den Befehl, nach Deutschland zurückzukehren. Ende 1961 bittet man ihn wegen Priestermangels allerdings erneut nach Chile. Dieses Mal wird er als Ökonom in die Pfarrei San Enrique in Chimbarongo versetzt, einer Stadt etwa 160 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt. „Auf einer Parzelle neben der Landkirche hatte man eine landwirtschaftliche Industrie zur Finanzierung der Studien unserer Jugend in Freiburg (Schweiz) und Brasilien aufgebaut. Da waren 70 Milchkühe, 100 Schweine und Tausende von Hühnern.“ Aus der Milch produzieren sie Käse. Pater Alfonso fährt einmal wöchentlich mit einem Helfer nach Santiago, im LKW befinden sich etwa 400 kg Käse und Tausende Eier. Sie beliefern verschiedene Geschäfte.

Anfang 1964 folgt die Pfarrei San Luis de Cerro Alegre in Valparaíso, wo er zugleich die deutsche Gemeinde übernimmt. Valparaíso liegt an der Pazifikküste, etwas mehr als 100 Kilometer von Santiago de Chile entfernt.

Anfang 1965 entsteht die Niederlassung der Patres in Agua Santa, der er angehört. Er beteiligt sich aktiv am Bau des Heiligtums von Agua Santa in Viña del Mar, das am 16. November 1968 eingeweiht wird.

Karte mit seinen Stationen in Chile (Carrascal, Chimbarongo, Valparaiso, Vina del Mar)

Von Beginn an liegt ihm besonders die soziale Arbeit am Herzen. Dankbar erinnert man sich an die Gründung eines Kinderheims in Viña del Mar, das heute seinen Namen trägt. 18 Kindern fanden zu seiner Zeit neue Eltern in Deutschland. 2011 wird das Kinderheim an das Sozialwerk „Maria Ayuda“ übergeben, eine Schönstatt-Organisation.

Sein Grab und Grabstein in Chile

1972 erhält Alfons Böß das Bundes-Verdienst-Kreuz. Weggefährten beschreiben ihn als reich an Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft: So habe „niemals ein Notleidender, der an seine Tür klopfe, ohne Kleidung und Essen von dannen“ ziehen müssen. Sein Neffe Bernd Böß und dessen Ehefrau Monika erinnern sich sehr gut an ihren Alfons: Bescheiden, sparsam und genügsam – so sei er gewesen. Er habe es immer gern mit jungen Leuten zu tun gehabt, sei immer mit der Zeit gegangen und habe sich beispielsweise auch für neue Technik interessiert. Die letzten 20 Jahre seines Lebens ist das Kinderheim sein Hauptanliegen. Oft sitzt er an der Schreibmaschine, verfasst Briefe und Dankesschreiben an die zahlreichen Spender.

Pater Alfonso stirbt am 12. Oktober 2014. Er wird in Chile beerdigt.

Die in Kursiv gesetzten Textabschnitte stammen alle aus dem von Alfons Böß herausgegebenen Buch „Ver Sacrum. Meine Erinnerungen“ (2014). Das vorab erschienene Buch auf Spanisch „Ver Sacrum. Memorias Padre Alfonso Boess“ hat die Freundin seines Großneffen Marco verfasst. Dieses ist im Jahr 2021 erneut auf Spanisch herausgekommen.


Quellen:

Alfons Böß (2014): Ver Sacrum. Meine Erinnerungen. Pater Alfons Boess.

Gespräche mit Rosa Kaiser (Januar 2026) sowie Bernd und Monika Böß (August 2026).

Schönstatt.org (2005): „Und wie geht es dem Bruder?“ Feier des goldenen Priesterweihe-Jubiläums von P. Alfons Boess in Vina del Mar, Chile. https://www.schoenstatt.org/news-archive/news2005/07/5t0739de-rch-aniversario50-boess.php.html (letzter Zugriff: 18.05.2026).

Nachrufe P. Alfons Boess: von seinem Neffen Bernd Böß (Eisenbach), von Irmgard und Hans Hoedt (Langenfeld) sowie Helga Behrend in der Gedenkmesse für Pater Alfons Böß am 24.10.2014 in Schönstatt.

Video „Vida Padre Alfonso Boess – generación Ver Sacrum Schoenstatt“. https://www.youtube.com/watch?v=56Rnyx7P7ks (letzter Zugriff: 18.05.2026).

Video „Funeral Padre Alfonso Boess“: https://www.youtube.com/watch?v=nSMGf0KX75k (letzter Zugriff: 18.05.2026).

Nassauische Neue Presse (Oktober 2014): Traueranzeige für Pater Alfons Boess.

Sterbebild für Pater Alfons Boess (2. April 1919 bis 12. Oktober 2014).

Robin Klöppel (2014): Lebensmut und Hoffnung, in: Nassauische Neue Presse. Jg. 69. Nr. 286. S. 16.

Unterlagen von Pater Enrique: Chronik der Abschiedsfeier von Pater Alfonso Boess; Predigt der Beerdigung von Pater Alfonso; Lebensbild von Pater Alfonso Boess; Pater Alfonso Boess: 80 Jahre Liebesbündnis; Ein erster Abschied von einem Helden; Einleitung zur Beerdigung.

Padre Gerardo Rodríguez/Juan Martín Alice (2025): Epílogo. Aus: Navidades en la Estepa. Memorias, cartas y relatos de la Wehrmacht en el frente oriental. Instituto de Publicaciones Navales.

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